top of page

Schönheit als Default – Was bleibt der Kunst?

  • Anna Rojahn
  • 13. Mai 2025
  • 2 Min. Lesezeit

Woman in front of a Museum


Ich habe die Ausstellung AIMAGINE im Hangar besucht, während des Photo Brussels Festival Sie zeigt eindrucksvoll, wie künstliche Intelligenz Bilder erzeugt – in perfektem Licht, harmonischer Farbgebung und makelloser Komposition. Was früher eine mühsame Aufgabe für Fotografinnen und Gestalterinnen war, gelingt der Maschine nun mit beeindruckender Präzision.

Doch genau hier beginnt ein neues Problem: Schönheit ist kein Maßstab mehr.


Wenn alles schön ist, worin besteht der Wert?

Bisher war das Streben nach Ästhetik ein essenzieller Bestandteil künstlerischer Arbeit. Doch nun, da KI diese Aspekte mühelos liefert, verliert die technische Perfektion an Bedeutung. Das bedeutet, dass die Aufgabe der Kunst sich verlagert.


Die neue Rolle der Gestalter*innen: Idee, Individualität, Kontext

In einer Welt, in der Schönheit allgegenwärtig und jederzeit verfügbar ist, wird sie zur Selbstverständlichkeit. Der kreative Prozess beginnt nicht mehr mit der Suche nach dem perfekten Moment, sondern mit der bewussten Entscheidung, was gezeigt wird und warum. Hier kommt die Individualität ins Spiel.

Künstlerinnen und Gestalterinnen werden zunehmend zu Kurator*innen ihrer eigenen Werke. Die wahre Kunst liegt nicht mehr in der bloßen Schöpfung, sondern in der Persönlichkeit, die sie durch ihre Auswahl, ihren Stil und ihren Kontext verleihen.


Die entscheidenden Fragen sind:

  • Welche Bilder wähle ich aus und warum?

  • Was ist mein eigener Blickwinkel?

  • Wie verleihe ich meiner Arbeit eine individuelle Handschrift?

Die Frage ist nicht mehr, ob etwas schön ist – sondern was es persönlich und bedeutungsvoll macht.


Befreiung oder Verlust?

Diese Entwicklung kann als Befreiung gesehen werden: Die mühsame Auseinandersetzung mit technischer Perfektion tritt in den Hintergrund, während das Konzept und die eigene Handschrift an Bedeutung gewinnen. Die Arbeit wird damit nicht obsolet, sondern persönlicher – die Herausforderung besteht nicht mehr darin, Schönheit zu erschaffen, sondern Identität und Relevanz.

Vielleicht liegt genau hier die neue künstlerische Herausforderung: Wenn alles schön ist, was macht den Unterschied? Die eigene Individualität.


Was bleibt der Kunst, wenn Schönheit kein Maßstab mehr ist?

Individualität, Kontext, Haltung – nicht das Bild selbst zählt, sondern die Entscheidung, es zu zeigen.

Ist technische Perfektion noch ein Wert?

Wenn alles schön ist, gewinnt nicht die Form – sondern der Blick, der sie auswählt und deutet.

Was ist künstlerische Leistung in der Ära der KI?

Nicht das Erzeugen, sondern das Kuratieren: Idee, Auswahl, und ein unverwechselbarer Standpunkt.

Befreiung oder Verlust?

Wenn Schönheit selbstverständlich wird, verlagert sich der Wert – hin zu Bedeutung, Kontext und Handschrift.



 
 

Aktuelle Beiträge

Alle ansehen
  • Instagram
  • LinkedIn

Rechtlicher Hinweis

Privacy policy

© 2025 von Bonnyvue. Alle Rechte vorbehalten.

bottom of page